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Sex im Alter: Ein heißes Thema! Über die Tabuisierung von Alterssexualität

17. Juli 2012 | Von

Ein heißes Thema!

Wenn wir an das Alter denken, so denken wir oftmals fast gleichzeitig an Krankheiten, Gebrechen und körperlichen Verfall. Es ist der Lebensherbst, den wir dann unwillkürlich imaginieren, und damit, tja, ernsthafte Themen wie Verlust, Abschied und Tod. Dabei sollten wir zwischen all den negativen Zuschreibungen rund um das Thema Alter eines nicht vergessen: Der Goldene Herbst kann zugleich eine wunderbar leuchtende, eine stimmungsvolle, ja schillernde Jahreszeit sein!
Nehmen wir als Beispiel Sex. Immerhin ist die Sexualität eine der vitalsten Triebkräfte des menschlichen Lebens. Sollten Sie selbst nicht zur Ü50-Generation gehören: Wie geht es Ihnen, wenn Sie hier lesen, dass viele Menschen jenseits der 70 höchstwahrscheinlich noch Sex haben? Ob mit sich selbst oder mit ihren Partnern, ob innerhalb von erotischen Dauerbekanntschaften oder vielleicht sogar bei unverbindlichen Tête-à-Têtes? Und dass sie dabei sogar Spaß haben? Huch, fühlen Sie sich plötzlich eher unwohl? Damit wären Sie zumindest nicht allein.

Völlig falsche Vorstellungen

Sex und Alter, die Kombination dieser beiden Themen ist für die meisten Menschen noch immer geradezu verstörend. Ein Tabu, daran stößt man sich: Denn “irgendwie passt das doch nicht zusammen”. Gerade jüngere Menschen sind außerdem oft der Meinung, dass sich das Bedürfnis nach lustvollen Gefühlen im Alter quasi von selbst erledigt. Spätestens in den frühen Sechzigern, so meinen sie, würden Libido und sexuelle Erregbarkeit schlagartig verblassen. Damit, so die weit verbreitete Vorstellung, würden die Alten schlussendlich zu geschlechtslosen Wesen mutieren. Dieses Klischee ist haarsträubend, entbehrt es doch jeder wissenschaftlichen Grundlage. Es hört schlichtweg zu den medizinischen Mythen! Ganz im Gegenteil spielt Sexualität zweifellos auch am Lebensabend des Menschen eine wichtige und wesentliche Rolle. Schließlich ist das Verlangen nach Nähe und Intimität ein natürliches und zutiefst menschliches Grundbedürfnis. Und zwar in jedem Alter.

Der Sex hört nicht auf, er wird nur anders

Natürlich verändert sich der Sex mit dem Alter – das aber tut er auch schon mit 20 oder 30, und übrigens immer wieder im Verlaufe eines Lebens. So ist es zwar richtig, dass sich viele persönliche Einstellungen, Verhaltensweisen und Empfindungen in Bezug auf Sex mit dem Alter verändern. Es wäre aber gänzlich falsch, daraus zu schlussfolgern, dass Sex im Alter kein Thema mehr sei. Denn das ist er. Nun ist es selbstredend nicht von der Hand zu weisen, dass sich einige altersbedingte körperliche Beschwerden direkt oder indirekt auf das Sexleben auswirken. Daneben hat der Sex im Alter aber auch ganz klare Vorteile.

Empfängnisverhütung wird überflüssig

Da wäre zunächst einmal die Sache mit der Empfängnisverhütung: Nach den Wechseljahren der Frau verschwindet in vielen Partnerschaften ein für alle mal die ständige, unterschwellige Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft. Das kann im positiven Sinne ein Meilenstein für die Beziehung sein. Die neu gewonnene Freiheit und Sicherheit führt in der Regel zu einer spürbaren Entspannung bei Mann und Frau. Zudem freuen sich beide darüber, nun endlich völlig ohne Verhütung miteinander schlafen zu können.

Ältere Menschen haben besseren Sex

Auch der sexuelle Leistungsdruck lässt bei vielen Menschen im Alter deutlich nach. Genauer: Es sinkt die Bereitschaft, sich diesem Erwartungsdruck auszusetzen. Gleichzeitig ist das eigene Selbstbewusstsein mit wachsender Lebenserfahrung gereift. Besonders Frauen fühlen sich jetzt häufig wohler in ihrer Haut. Das, was der Volksmund gemeinhin Altersweisheit nennt, hat in der Regel auch positive Auswirkungen auf die Genussfähigkeit beim Sex. Ein wertvoller Schatz an persönlichen Erfahrungen hat gezeigt, dass übersteigertes Anspruchsdenken sich oftmals ins Gegenteil verkehrt. Ältere Menschen haben gelernt, dass überhöhte Erwartungen und Leistungsdruck höchstens zu körperlicher Verkrampfung und mentalen Blockaden führen, während Gelassenheit und Natürlichkeit auch beim Sex der Schlüssel zu Zufriedenheit und Glück sind. Einen besonderen Stellenwert haben jetzt vor allem auch Nähe und Zärtlichkeit.

So häufig tun sie es

Die Zahlen sprechen für sich. So haben zahlreiche internationale Studien über das Sexualverhalten älterer Menschen immer wieder gezeigt, dass weit(!) mehr als die Hälfte der Frauen und Männer zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr noch Sex haben. Ein Ergebnis, das viele Grünschnäbel überraschen dürfte! Aber auch nach dem 60. Lebensjahr sinkt dieser Wert nur langsam. Selbst bei den über 80-Jährigen ist immerhin noch jede vierte Frau und jeder dritte Mann sexuell aktiv. Lediglich unter den alleinstehenden Senioren ist die sexuelle Aktivität etwas niedriger. Im Übrigen gewinnt, besonders bei Frauen, mit zunehmendem Lebensalter das Thema Selbstbefriedigung an Bedeutung. Es wird deutlich: In Bezug auf ihr Sexualleben werden ältere Menschen, gerade auch von jüngeren Leuten, in der Regel völlig falsch eingeschätzt. Woher aber kommen diese unrealistischen Vorstellungen?

Alterssexualität wird oft tabuisiert!

Die Hauptursache der weit verbreiteten Vorurteile liegt darin, dass die meisten Menschen beim Thema Alterssexualität ein Tabu empfinden. So jedoch können falsche Vorstellungen nicht korrigiert werden. Stattdessen heißt es: “Darüber spricht man nicht”. Dadurch wiederum fällt es vielen Senioren ungeheuer schwer, die eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in Bezug auf das Thema Sex angemessen zu artikulieren. Hinzu kommt: Wer heute über 65 ist, hat die eigene Sozialisation und sexuelle (Nicht-)Aufklärung noch vor der 68er Bewegung erlebt. Für viele Menschen dieser Generation ist das Ansprechen sexueller Themen bis heute schambehaftet. So existiert oftmals auch eine große persönliche Hemmschwelle, beispielsweise über sexuelle Probleme zu sprechen. Zu groß ist die Angst, mit solchen Belangen auf Ablehnung zu stoßen. Schweigen jedoch schafft weitere Unsicherheit. Hinzu kommt: Während uns auf allen Medienkanälen Sex, Fitness und ewige Jugend als Lifestylepaket propagiert werden, ist das Thema Sex im Alter in den meisten Medien schlichtweg unsichtbar, es ist einfach nicht vorhanden. Durch dieses mediale Totschweigen wird aber auch eine gesellschaftliche Verhandlung in öffentlichen Diskursen verhindert.

Sex im Alter: Wege aus der Sprachlosigkeit

Statt mit Stirnrunzeln, verlegenem Kichern oder Kopfschütteln sollten auch Angehörige und Pflegefachkräfte einen respektvollen Raum der Anerkennung schaffen. Dieser beginnt im Falle von Pflegebedürftigkeit beispielsweise mit der Sicherstellung einer angemessenen Privatsphäre. Und vor allem auch damit, dass Gesprächsräume als Möglichkeiten des offenen Austauschs geschaffen werden. Es wäre wünschenswert, dass dieser doch so wesentliche Lebensbereich nicht ständig verleugnet wird. Ein erster Schritt in diese Richtung ist vor allem auch die Einsicht, dass Sexualität im Alter eine Rolle spielt.

Beratungsstellen und Informationen

Manchmal tut es einfach gut zu reden. Eine sehr empfehlenswerte Möglichkeit kann es deshalb sein, ein soziales Beratungsangebot zu nutzen. Viele soziale Beratungsstellen wie beispielsweise Pro Familia oder das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. bieten Senioren die Möglichkeit, mit ausgebildeten Fachkräften über ihre persönlichen Sorgen und Empfindungen (auch zum Thema Sex!) zu sprechen. Die meisten Beratungsstellen vermitteln übrigens auch Adressen von Ärzten, die Experten im Bereich Alterssexualität sind. Denn auch von Medizinern wird dieses Thema mitunter stiefmütterlich behandelt. Es gibt jedoch inzwischen immer mehr Ärzte, die sich mit den speziellen Anforderungen und sexuellen Schwierigkeiten älterer Menschen gut auskennen.

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Keine Kommentare

  1. Gerade ab 50 wird die sexualität spannend. Kinder sind aus dem Haus und man brauch auf keinen mehr rücksicht nehmen. 70 Prozent der Kunden in Online shop für Dessous sind über 50.

    Gruß
    Christine

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